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2020 - Schleich' Di, Du Oaschloch

Kein Jahr hat der Post-Weltkriegsgesellschaft global mehr abverlangt als 2020. Eine Pandemie, beginnend in Wuhan, China breitete sich in Windeseile über die Welt aus. Eine Welt, die durch Optimierung der globalen Lieferketten so eng miteinander verzahnt ist, dass jede unvorhergesehene Disruption die Weltwirtschaft beeinflusst. 

Ich erinnere mich gut an Sylvester 2019. Schiurlaub mit der Familie im Familienhotel. Gemeinsames Essen, Spielen, Filme schauen auf engstem Raum. Ja, da gab es einen Virus in Asien - aber was tangiert es uns Mitteleuropäer. Dann Meldungen von Infektionen in Europa, Italien hat es zuerst stark gebeutelt. Überfüllte Intensivstationen und leider auch Leichenhallen. Das Virus bekam den Namen COVID 19 und hat das ganze folgende Jahr unser Leben auf den Kopf gestellt. 

Im März 2020 ging es dann Schlag auf Schlag. Ankündigung von Maßnahmen gegen die Verbreitung des Virus und schließlich "harter Lockdown". Wie wir heute wissen: "Harter Lockdown I". Über 7 Wochen kam unser gesamtes Gesellschaftsleben zum Erliegen. Lediglich Supermärkte, Apotheken, Post und jene Einrichtungen, die der Deckung der Grundbedürfnisse dienen, waren geöffnet. Schulen geschlossen. Für uns als Eltern von 2 Töchtern (7,5) war es ein Herkulesakt. Frühstück machen, Home-Schooling starten, Videokonferenzen von zu Hause zwischen 8-18 Uhr, Essen kochen (und einkaufen), Streit schlichten, Wohnung putzen und einfach wie immer funktionieren. 

Am Anfang war es eine spannende Abwechslung, endlich viel Zeit zu viert. Wenig später die Erkenntnis: Ohne Unterstützung von außen ist es unmöglich, Vollzeit zu arbeiten und Vollzeit Familie und Haushalt zu schupfen. Ich habe durchgebissen, VCs am Spielplatz oder mit zwei Kindern am Schoß absolviert. Gleichzeitig merkte ich, wie die Kräfte schwanden. Ein Hoffnungsschimmer im Sommer, regulärer Urlaub in Kroatien am Strand mit gutem Essen und Ruhe richteten mich kurzzeitig wieder auf. 

Ende September 2020 war dann Schluss. Oder wie wir in der Familie sagen: "Ende Gelände". Keine Kraft, keine Energie mehr. Ausgebrannt. Von da an Krankenstand. Der zweite über Wochen in 16 Jahren Vollzeitarbeit. 

Was darauf folgte, war nicht minder kraftraubend. Arzttermine beim Hausarzt, Internisten, Psychiater, Endokrinologen. Zusätzlich Psychotherapie und Yoga. Irgendjemand muss mir sagen können, was falsch läuft mit mir. Spoiler Alert: Nein. 

Am 2.11. kam es dann zu einem islamistisch motivierten Terroranschlag mit 4 Toten und 23 Verletzten in Wien, vor der Haustür. Echt jetzt, 2020, haben wir das auch noch gebraucht?

Es folgte ein "Lockdown Light", natürlich sinnfrei und danach ein "Hard Lockdown" (der 2.) vor Weihnachten. Schulen wieder zu, Homeschooling ging weiter. 

Leute, wie sollen Eltern betreuungspflichtiger Kinder mit Job und Verpflichtungen so ein Jahr überstehen. Ihr habt uns komplett im Regen stehen lassen, und jetzt bin ich ausgebrannt. Keine Kraft mehr übrig. Und jetzt in der Anstalt.

Das einzige, was mich über das Jahr schmunzeln lässt, war ein urtypisch wienerischer Ausspruch am Tag des Terroranschlages. Der Attentäter stürmte durch die Wiener Altstadt. Ein Bewohner der Judengasse öffnete das Fenster und schrie dem Attentäter entgegen: "Schleich Di, Du Oaschloch". 

Und für mich ist dies das perfekte Ende für 2020. Schleich Di, Du Oaschloch.


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